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„40 Stunden passt nicht mehr zum Alltag“: Linke kontert CDU-Debatte – Lifestyle-Teilzeit für alle?

„40 Stunden passt nicht mehr zum Alltag“: Linke kontert CDU-Debatte – Lifestyle-Teilzeit für alle?

Teilzeit als Lifestyle – warum nicht? Die Linke kontert aktuelle Töne aus der CDU/CSU. 40 Stunden Arbeit pro Woche seien nicht mehr zeitgemäß.

Berlin – Alles nur „Lifestyle“? Die CDU-Mittelstandsunion hat mit einem Antrag unter der Überschrift „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ ordentlich Wirbel ausgelöst. Die Linke kontert jetzt mit einem eigenen Konzept – das dem der Union diametral entgegensteht. Statt mehr Arbeit für alle, wie es auch Kanzler Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder zuletzt forderten, will die Linke – lapidar formuliert – „Lifestyle-Teilzeit“ für alle.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Anne Zerr (kleines Bild) kritisiert die Arbeitszeit-Vorschläge von CSU-Chef Markus Söder (l.) und Kanzler Friedrich Merz (CDU).

„Das klassische Modell von 40-Stunden-Vollzeit passt für viele Menschen schlicht nicht mehr zu ihrem Alltag. Erwerbsarbeit, Familie und Hobbys oder Ehrenamt lassen sich so kaum miteinander vereinbaren“, betont die Bundestagsabgeordnete Anne Zerr, bei den Linken zuständig für Arbeit und Soziales, gegenüber der Frankfurter Rundschau. „Deshalb sagen wir: Die alte Vollzeit ist überholt.“ Deutschland brauche stattdessen Arbeitszeitverkürzung und eine kürzere Vollzeit als neues Normal – und das „bei vollem Lohnausgleich“.

Teilzeit in Deutschland auf Rekordstand – Merz und Söder fordern mehr Arbeit von den Deutschen

Wie aber soll sich Deutschland das leisten können? Die regierende Union plädiert im Gegenteil für eine höhere Arbeitszeit der Deutschen, will sich um weniger Krankheitstage bemühen und mehr Menschen in Vollzeit bringen. Die Teilzeitquote sei in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern auffallend hoch, argumentieren CDU/CSU.

Nicht nur Frauen mit Kindern arbeiten in Deutschland auffallend häufig in Teilzeit, sondern auch kinderlose Frauen: vier von zehn arbeiten laut Statistischem Bundesamt 2024 nur Teilzeit. Bei den Männern ist es jeder Neunte. Beide Zahlen sind ein neuer Höchststand. Eine Stunde mehr Arbeit pro Woche müsse für jeden Arbeitnehmer drin sein, sagte vergangene Woche CSU-Chef Söder in der ARD. Kanzler Merz betonte mehrmals bei CDU-Auftritten, Deutschland könne mit „Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche“ seinen Wohlstand nicht erhalten.

Linke zur Teilzeit-Diskussion: „Wirtschaftliche Probleme nicht, weil Menschen zu faul sind“

Linken-Arbeitsexpertin Anne Zerr sagt dazu: „Deutschland hat wirtschaftliche Probleme – aber nicht, weil die Menschen zu faul sind.“ Und: „Mehr Überstunden helfen weder gegen die Deindustrialisierung noch lösen sie den Fachkräftemangel.“

Die Linke plädiere stattdessen für eine „klare Zukunftsstrategie“ für die Industrie, um Stellenabbau und Standortschließungen zu stoppen: Dazu zählten bezahlbare Energie und staatliche Fördergelder, die an Bedingungen an die Konzerne geknüpft seien. „Wer Steuergelder bekommt, muss Arbeitsplätze sichern und darf sie nicht einfach abbauen oder ins Ausland verlagern“, unterstreicht Zerr gegenüber unserer Redaktion. „Was wir nicht brauchen, ist ein Unterbietungswettbewerb“ – Löhne drücken, Arbeitszeiten verlängern, Schutzrechte abbauen. „Das mag kurzfristig billiger sein, schadet aber Beschäftigten und am Ende auch der Wirtschaft.“

Es gehe der Linken nicht wie der Union um mehr Arbeit in Deutschland, sondern um „bessere Arbeit“, bilanziert Zerr: „Gute Löhne, verlässliche Arbeitszeiten und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“ Nur wenn Beschäftigte nicht „verheizt“ würden, sei ein wirtschaftlicher Aufschwung machbar.

Merz will Wohlstand durch mehr Arbeit sichern – aber Beschäftigte profitieren laut Linke nicht

Zudem: Wenn der Kanzler davon spreche, Wohlstand in Deutschland müsse durch mehr Arbeit erhalten werden, müsse man sich fragen: „Wessen Wohlstand ist damit gemeint?“, so Zerr zur Frankfurter Rundschau. Beschäftigte würden nämlich von Wohlstandsgewinnen kaum profitieren, während „Überreiche“ immer noch mehr Vermögen ansammelten. „Vor diesem Hintergrund ist es zynisch, von den Menschen noch mehr Leistungsbereitschaft einzufordern.“

Der Antrag gegen Lifestyle-Teilzeit gehe noch aus einem anderen Grund an der Lebensrealität in Deutschland vorbei, so die Linken-Politikerin: Die CDU tue so, „als würden sich Menschen aus Bequemlichkeit gegen Arbeit entscheiden.“  Dabei würden gerade viele Mütter gerne mehr arbeiten – wenn die Lebens- und Arbeitsbedingungen stimmen und Arbeitgeber kooperieren würden. „Genau da müsste die Politik ansetzen.“

Mittelstandsunion will Recht auf Teilzeit nicht mehr aus „Lifestyle“-Gründen – die Linke schon

Die Mittelstandsunion fordert in ihrem Antrag für den CDU-Parteitag Ende Februar, dass das Recht auf Teilzeit nicht mehr für alle gelten solle, sondern nur noch für diejenigen, die Gründe dafür haben – sei es Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Weiterbildung. Allein wegen der Work-Life-Balance solle Teilzeit zwar unter Zustimmung der Firma weiter möglich sein, aber nicht gesetzlich garantiert.

Die Linke sieht das anders: Zu unterstützen seien auch „diejenigen, die sich bewusst für weniger Erwerbsarbeit entscheiden, um mehr Zeit für ihr Leben zu haben – für Engagement, Familienfreizeit oder ihre Gesundheit. Das ist kein „Lifestyle“, das sind völlig legitime Lebensentscheidungen.“ (Quellen: eigene Recherche, Statistisches Bundesamt) (smu)

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