
WDR: Frau Oberem, Laufsport ist zuletzt immer beliebter geworden. Wie erklären Sie sich das?
Sonja Oberem: Ich glaube, die Leute haben durch die Corona-bedingte Pause einen neuen Zugang zum Laufen gefunden. Es ist einfach, gesund, jeder kann den Sport in seinem Tempo betreiben, er ist jederzeit überall machbar und kostet nicht viel. Wir sehen das auch beim Marathon: Früher hatten manche Veranstalter noch Probleme, die Startplätze zu füllen. Heute ist das Gegenteil der Fall. Mir fällt auch auf, dass heute viel mehr junge Menschen mitlaufen. Das Durchschnittsalter liegt in diesem Jahr zwischen 25 und 40 Jahren. Früher war es deutlich älter, laufen war nicht so cool wie heute.
WDR: Warum ist das Laufen aktuell gerade unter jungen Menschen so beliebt?
Oberem: Ich denke, das hat auch mit Social Media zu tun. Viele verabreden sich dort zu “Community Runs”, was man früher Lauftreffs genannt hat. Zu denen kamen damals vielleicht zwanzig Leute, heute laufen die Gruppen teilweise mit hunderten duch die Stadt. Danach setzen sich die jungen Leute noch zu einem “After Run Coffee” zusammen. Das Laufen hat sich zu einem Lifestyle entwickelt, zu dem auch Mode und Ernährung gehören.
WDR: Hat der Boom auch Schattenseiten?
Oberem: Ich sehe keine. Es ist ja positiv, dass sich die Menschen wieder bewegen, entgegen dem allgemeinen Trend.
WDR: Denken Sie nicht, dass die Gesundheit zu kurz kommt, wenn der Sport zum Lifestyle wird?
Oberem: Es gibt bestimmt Leute, die es übertreiben und den Sport nicht in einem gesunden Maß betreiben. Aber der Großteil macht es aus reinem Vergnügen. Letztlich ist da jeder für sich selbst verantwortlich.
WDR: Worauf sollten Freizeitläuferinnen und -läufer denn beim Sport achten?
Oberem: Laufanfänger sollten mit kleinen Schritten starten. Zum Beispiel am Anfang abwechselnd eine Minute gehen und eine Minute laufen. Sie sollten immer in einem Tempo laufen, das sie gut durchhalten können. Der Körper nimmt den Trainingseffekt mit und kann sich mit der Zeit steigern. Auch die Regelmäßigkeit ist wichtig. Es ist besser, drei oder vier Mal in der Woche kürzere Strecken zu laufen, als zwei Mal eine zu lange.
WDR: Was empfehlen Sie Menschen, die mit Laufen anfangen möchten, sich aber einfach nicht zum Trainieren überwinden können?
Oberem: Am besten sucht man sich dafür einen Partner. Außerdem sind feste Tage oder Rituale wichtig. Auch ein Ziel hilft, zum Beispiel mal an einem Fünf- oder Zehn-Kilometer-Lauf teilzunehmen.
WDR: Angenommen, man schafft den Schritt in dem Laufsport, und nimmt irgendwann an seinem ersten Marathon teil. Wie sollte man sich danach verhalten?
Oberem: Nach einem Marathon ist es wichtig, relativ schnell etwas Eiweißhaltiges zu sich zu nehmen. Außerdem sollte man sich schnell trockene Kleidung anziehen, denn der Körper ist dann geschwächt und etwas anfälliger.
WDR: Sie selbst waren Läuferin und Triathletin auf Spitzenniveau. Welche Rolle spielt das Laufen heute noch in ihrem Leben?
Oberem: Eine sehr große. Ich bin auch jetzt noch eine begeisterte Läuferin. Ich hatte einfach immer schon viel Freude daran, mich zu bewegen. So geht es wahrscheinlich vielen. Dass uns Bewegung im Alltag oft fehlt, trägt bestimmt auch zum Laufboom bei.
WDR: Sie sind auch Veranstaltungsleiterin des Düsseldorf Marathons, der nächste Woche Sonntag (26.04.) ab 8 Uhr stattfindet. Was ist die größte Herausforderung bei der Organisation?