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Wir wissen es besser: Warum wir ungesundes Verhalten trotdem lieben | MDR.DE

Wir wissen es besser: Warum wir ungesundes Verhalten trotdem lieben | MDR.DE

Was tun, um die Lücke zu schließen?

Die einzelnen Erkenntnisse zur Funktionsweise unseres Gehirns, zu seiner evolutionären Prägung und den in uns eingeschriebenen Süßhunger, auf die sich die Forscherinnen beziehen, sind dabei nicht neu. Sie plädieren jedoch dafür, dieses Wissen stärker zu berücksichtigen und einen Perspektivwechsel zu vollziehen, sowohl im Alltag als auch in Forschung und Politik: Weg vom Vorwurf des schwachen Willens, hin zu mehr Verständnis und Wissen. Was heißt das für den Einzelnen? Berg und Co. entwerfen eine Top 3 an Empfehlungen, die sich an den neurologischen Erkenntnissen orientieren und Menschen helfen sollen, die Lücke zwischen ihrem Gesundheitswissen und ihrem Lebensstil zu verkleinern:

Sei geduldig: Das Bilden neuer Gewohnheiten erfordert viele Wiederholungen. Eingelernte Mechanismen verändern sich nur langsam, da sie sich meist über Jahre entwickelt und stabilisiert haben. Eine Veränderung ist möglich, auch wenn sie viel Geduld erfordert.

Sei verständnisvoll: Wir sollten anerkennen, dass wir bei Müdigkeit oder Stress instinktiv in alte Routinen zurückfallen, ohne uns dafür zu verurteilen. Ein vorübergehender Rückfall bedeutet nicht, dass eine langfristige Verhaltensänderung unmöglich ist. Stattdessen sollten realistische Erwartungen entwickelt werden, basierend auf dem Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen.

Plane voraus: In Phasen von Ruhe und Entspannung fällt es uns leichter, unser Verhalten bewusst zu steuern. Daher ist es hilfreich, Entscheidungen im Voraus zu treffen (z. B. Einkaufslisten schreiben, Sporteinheiten planen, Schlafroutinen festlegen), um schwierige Situationen besser zu bewältigen.

Wissen statt Scham und Frust

Darüber hinaus fordern die Forscherinnen auch Konsequenzen für den Bereich Public Health: “Nur wer weiß, dass bei ihm oder ihr neurobiologische Mechanismen das Verhalten steuern, kann sich dem erfolgreich widersetzen. Wir müssen Prävention daher neu aufstellen, denn mit Appellen wie ‘Tu dies’ oder ‘Lass jenes’ lassen sich keine nachhaltigen Verhaltensänderungen herbeiführen”, erklärt die Neurologin Daniela Berg. “Wir müssen vermitteln, warum es zu dieser Lebensstil-Dissonanz kommt und warum es so schwer ist, Änderungen umzusetzen.” Denn ein gesundes Leben sei eben nicht immer nur eine Frage des Willens, entsprechend müsse das Thema von Scham, Frust und (Selbst)Vorwürfen befreit werden.

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